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Josef Sudbrack SJ: Kosmische Mystik. Teilhard de Chardin und Hildegard von Bingen

Das Wort "kosmische Mystik" ist echt jung. Der kanadische Arzt R.M. Bucke berichtete vor 1900 von seiner Erfahrung eines "kosmischen Bewusstseins" und der berühmte Bostoner Psychologe W. James griff es in seinem bleibenden Bestseller "die Vielfalt der religiösen Erfahrung" als kosmische Mystik auf. Teilhard beruft sich auf James, wenn er die Offenheit einer kosmischen Mystik für Gottesmystik andeutet: "Wird nicht schon in dem Ungläubigen, der von einer kosmischen Offenbarung ergriffen wird, die Haltung des Gläubigen skizziert, der sich Gott ausliefert und von Ihm ergriffen ist?" Das Wort "kosmische Mystik" ist zwar neueren Datums - das Substantiv Mystik gibt es ja erst seit Ende des 17. Jahrhunderts -, aber die Sache an sich ist alt. Solche Erfahrungen begeleiteten das Christentum, bis es vom aufklärerischen Rationalismus der Moderne angefressen wurde. Urs von Balthasar konnte seine Darstellung des Maximus Confessor, dem die theologische Synthese der ersten sechs christlichen Jahrhunderte gelang, "kosmische Liturgie" nennen. H.B. Schlette hat in "Weltseele" Etappen dieser Welterfahrung skizziert. Das Buch von J. Zahlten über mittelalterliche Schöpfungsbilder, "Creatio Mundi", zeigt eindrücklich, wie selbstverständlich damals eine "Schöpfungsmystik" war.
Liebe vereint, indem sie differenziert
Selbstverständlich löste die "kosmische Mystik" des christlichen Mittelalters (auch nicht die der Schule von Chartres) die Welt-Vielfalt und das Personsein nicht auf, sondern ruhte auf der Erfahrung der inneren Ordnung, der Sinnhaftigkeit und des Umfasstseins von der Liebe Gottes. Das nun entspricht der "kosmischen Mystik" Teilhard de Chardins. Oftmals nennt er, wie im Brief von 1934 an seinen Freund und Verteidiger, den späteren Kardinal de Lubac, seine Weltschau "mystisch". Dabei bekennt er, dass er "das Personale wiederentdeckt habe" und so auch die Metaphysik (nicht die geometrische, sondern die evolutive!) in die Weltschau einbringen möchte. Den Schlüssel dazu gibt ihm das Phänomen Liebe, in dem er die Grundstruktur der "evolutiven Metaphysik" findet. "Einigung (l'union) differenziert. Die Liebe (großgeschrieben!) ist einfachhin der konkrete Ausdruck dieses metaphysischen Prinzips. In ihrer Kraft zu vereinen, ist die Liebe weit davon entfernt zu entpersonalisieren. Im Gegenteil, sie überpersonalisiert, indem sie Einheit schafft. Das Universum wächst nur kraft personaler Beziehungen in die endgültige Einheit hinein, das heißt: durch die Liebe. Keinesfalls werden die Dinge der Welt durch Verschmelzung geeint - als ob Gott im Zusammenwachsen der Weltdinge entstehe oder als ob er sie gleichsam in sich aufsauge -, das Universum wird zur Einheit durch eine differenzierende Synthese (par synthèse différenciante); die Weltdinge werden umso mehr sie selbst, je mehr sie sich in Gott zusammenfinden. Einheit in und durch Vielheit." Bildhaft ausgedrückt: (kosmische) Einheit entsteht nicht dadurch, dass die Einzeldinge ihren Selbststand aufgeben. Im Gegenteil: Diese stehen umso mehr in sich (werden "Person"), je enger sie das Band der Liebe verknüpft. Das Band der Liebe - und nicht diffuse Einheit - ist die Struktur der "kosmischen Mystik".
Schon in der Urmaterie, in den subatomaren Bewegungen, deutet sich diese Grundstruktur an. Im Laufe der Entwicklung wird die Materie immer differenzierter, also geeinter, entwickelt sich immer höher, "faltet sich zusammen": zu kristallinen Formen, zu Leben, zum seelischen Fühlen, zum Bewusstsein, zur "Noosphäre". Dieser Zielpunkt der Entwicklung meint: "Der Mensch, zunächst eine bloße Spezies, aber schrittweise, durch seinen ethnisch-sozialen Zusammenschluss, darüber hinauswachsend, wird allmählich zu einer in ihrer Art völlig neuen Hülle dieser Erde." (Die Entstehung des Menschen) Die Vernetzung der Menschheit in Liebe, in Begegnungsvielfalt ist der Gipfel der Evolution. Teilhards Mystik "erspürt" ("Praesentire", in Abwandlung des ignatianischen "sentire cum ecclesia") das Zusammenwachsen der Menschheit zur liebenden Einheit (Noosphäre). In ihre Leibhaftigkeit sind alle vormenschlichen Entwicklungsstufen eingeschlossen. Teilhard glaubt sogar, dass dieser Zusammenschluss in naher Zukunft geschehe - ein Optimismus, der uns heute unverständlich erscheint.
Christliche Perspektive
Aber man muss zuerst akzeptieren, dass Teilhard nichts tut, als das Neue Testament (z.B. Kol 1,15-20) ernst zu nehmen: "Jesus Christus ist der Erstgeborene der ganzen Schöpfung. Denn in ihm wurde alles erschaffen. Er ist vor aller Schöpfung, in ihm hat alles Bestand. gott wollte mit seiner ganzen Fülle in ihm wohnen, um durch ihn alles zu versöhnen. Alles im Himmel und auf Erden wollte er zu Christus führen."
Teilhards evolutives Weltbild wurzelt nämlich im Glauben an Jesus Christus: "Gott "hat alles in ihm erschaffen" und "führt alles zu Christus". Das heißt, die vorwärtsdrängenden Kräfte der Welt steuern auf den "kosmischen Christus" der Endzeit zu, Gott hat die ganze Schöpfung auf ihn hin angelegt: "Von Gott dem Vater stammt alles, und wir leben auf ihn hin. Und einer ist der Herr: Jesus Christus. Durch ihn ist alles, und wir sind durch ihn." (1 Kor 8,8) Diese gewaltige Schau macht Teilhards Mystik aus. Seine naturwissenschaftlichen Forschungen versuchen, diese Schau empirisch zu verifizieren. Der evolutive Aufstieg zum Menschen und darüber hinaus in die "Noosphäre" bestätigt nach Teilhard die Entwicklung des Kosmos hin zum "kosmischen Christus". Philosophisch gesprochen: Die Final-, die Zielursache des Weltgeschehens ist Jesus Christus als Gottes Fleisch- und Weltwerdung. Mit dieser Weltsicht greift Teilhard die mystische Theologie der frühen Kirche auf. Das Band der Liebe, das die Menschheit zur "Noosphäre" verknüpfen wird, hat seine Einheit schaffende (also auch personalisierende) Kraft aus Gottes Inkarnation in der Welt.
Teilhard nimmt die biblische Aussage von Christus als der Mitte der Schöpfung ernst und entkräftet sie nicht, wie es die Theologie gerne tut, als bildhafte Übertreibung oder als nur moralistischer Hinweis. "Wer doch wird den Weg erkennen und finden, den Christus des heiligen Paulus, den universalen Christus? Oh, dass ich doch, durch mein Leben und meinen Tod, für ihn ein wenig Vorläufer sein kann!" Diese Vision gewinnt ihm nach in der Evolution auch naturwissenschaftliche Plausibilität: "Gott hat sich vereint mit seiner erschaffenen Welt, um auch sie zur Einheit zu führen, um sie sich selbst einzuverleiben (l'incorporer); in dieser Geste ist für den, der Jesus anbetet, der ganze Weltverlauf verborgen." Doch all das ist für Teilhard kein bloßes Denkgebäude, sondern Seinserfahrung, die in der Begegnung mit der Schöpfung und mit den Menschen lebt. Er nennt dies "goût de l'Etre", Seinsgeschmack, der - über W. James hinaus - in der Gottesmystik gipfelt, also eng verbunden ist mit dem Beten. Zu seinen Jahresexerzitien notiert er: "Was mein inneres Leben nährt, ist der ‚Geschmack des Seins' - erfüllt in Gott, meinem Herrn. Dass doch unser Herr mir diesen Seinsgeschmack bewahre und die Schau, dass Er das Sein ist." "Die Formel meines Lebens, dynamisches Element: Geschmack des Seins. - Unseren Herrn bitten, dass er mir ihn erhält.
Personale Seinserfahrung
Als "mystische" Ahnung (praesentire) begleitet dieser "goût de l'Etre" Teilhards Leben und findet in den Kriegsschriften den ersten großen Niederschlag. Mit der weiteren Ausarbeitung wurde ein Doppeltes in diesem Seinsgeschmack immer deutlicher: Personalität Gottes und Liebe als Grundstruktur des Seins! In einem Brief von 1936 wendet er sich ebenso gegen den "katholischen Faschismus" Spaniens wie gegen eine Überflutung durch fernöstliche Spiritualität, denn: "Immer klarer wird mir, und dies im Gegensatz zur gewöhnlichen Meinung: Am ‚unmodernsten' am Christentum ist die Moral des Evangeliums (wenn man sie wörtlich versteht); am progressivsten aber (und ganz und gar unseren Zeitbedürfnissen entsprechend) ist - umgekehrt, wie man gewöhnlich behauptet - der dogmatische Personalismus (le personnalisme dogmatique), eben das, was Nichtgläubige oft für etwas halten, das endgültig erledigt ist."
Teilhard hatte Sympathie für die esoterischen Bemühungen seiner Zeit, suchten sie doch wie er die kosmische Einheit. Er glaubte eine Zeitlang sogar, in der fernöstlichen Spiritualität Antwort auf sein eigenes Suchen zu finden. Doch aus der Begegnung mit ihr hat er sich in mehreren Schriften scharf von ihr distanziert. Er kam - bei aller Sympathie - zum Urteil, dass sich hinter "dem Wortlaut nach beinahe identischen Ausdrücken" der Einheitserfahrung in der fernöstlichen Mystik "eine Mystik ohne Liebe" zeige. Für ihn aber sind Gottes Personalität, die Liebe (deren Einheit "differenziert") und daher auch die Aktivität Mitte der christlichen Mystik und Mitte auch des evolutiven Weltbildes.
Was er damit mit teilhardscher Verve vielleicht zu entschieden formuliert, muss den esoterischen (New Age, M. Ferguson) und katholischen Bemühungen, ihn mit dem (Zen-) Buddhismus zu synthetisieren, zu denken geben. Der Fall A.-Fr. Viallet offenbart Teilhards klare Distanz zur Zen-Mystik. Er unterstützte nämlich recht ausdrücklich den geborenen Österreicher, der in Frankreich lebte, während der Nazizeit deportiert wurde, aber fliehen konnte. Viallet schrieb einige auch auf Deutsch erschienene Bücher über Teilhard, in denen er dessen Mystik immer stärker der Zen-Erfahrung annähert. Sehr erregt (fortement agacé) und zugleich liebevoll spricht Teilhard vom "armen Viallet", der seine dynamische Weltsicht auf eine statische "Jetzt-Erfahrung" (Satori) hin entkräfte. "Ohne Erfolg" versuchte er ihm zu helfen: "Vor einigen Jahren veröffentlichte er eine ‚Découverte de Dieu', angeblich von mir inspiriert, aber meinem Denken im Wahrheit völlig fremd."
Teilhard lässt sich eben nicht ohne "Liebe", die auf Personalität aufruht, und nicht ohne Hoffnung und Zukunftsdynamik verstehen. Sein Essay über "Die Evolution der Keuschheit", der im Zusammenhang mit dem langjährigen, regelrecht intimen Briefwechsel mit Lucile de Swan entstand, dokumentiert dies.
Hildegard von Bingens Schau der kosmischen Ganzheit
Es ist überraschend, wie sehr Teilhards Weltsicht der Schaumystik der rheinischen Äbtissin des 12. Jahrhunderts, der "prophetissa theutonica" entspricht: kosmische Ganzheit, auf Liebe gegründet, im Menschen, in Jesus gipfelnd. Ein Vergleich beider kann Teilhards Sicht beleuchten. Abt Adam von Ebrach, der mit seinem Konvent nicht zurechtkam, hatte Hildegard um Rat gebeten. Hildegard berichtet von der Schau eines "schönen Mädchens"; es stellt die Harmonie der Welt- und Heilsgeschichte dar - so wie sie im ewigen Jetzt Gottes über alle Zeiten hinweg lebt. "Und ich hörte eine Stimme, die zu mir sprach: ‚Das Mädchen, das du siehst, ist die Liebe, in der Ewigkeit hat sie ihr Zelt. Denn als Gott die Welt schaffen wollte, neigte er sich in zärtlicher Liebe herab. Da erkannte die Kreatur in diesen Arten und Formen (der Schöpfung) ihren Schöpfer. Denn die Liebe war im Anfang der Urstoff (materia) eben dieser Kreatur.'" "Auf der Brust des Mädchens war eine Elfenbeintafel, auf der eine Menschengestalt in saphirblauer Farbe erschien. Denn der Sohn Gottes bricht strahlend aus dem Alten der Tage auf in der Liebe. Als nämlich die ganze Schöpfung auf Gottes Geheiß vollendet war, da stieg die Glut der wahren Sonne wie Tau in den Schoß der Jungfrau und bildete aus ihrem Fleisch den Menschen. Die Jungfrau aber gebar ihn in Unversehrtheit."
Mit dieser Grundschau berührt Hildegard schauend Gottes ewigen Ratschluss; aus ihr heraus differenziert sie dann die Einzelzüge der Weltdinge - so wie ein Prisma das eine Licht in die Regenbogenfarben zerlegt. Hildegards Schau differenziert sich so in die Tugenden hinein und lässt den Abt sagen: "Nun aber klopfen diese Gotteskräfte an deine Tür, o Mensch. Und die Liebe spricht zu dir: ‚Treuer Freund, wir wollen nicht, dass du dich der Bindung deines Amtes entziehst.'"
Alle Schriften Hildegards gehen ähnlich voran: Aus der Einheit der Weltschau heraus schaut sie die Heilsgeschichte, kann sie Ratschläge geben, deutet sie das Zeitgeschehen, erkennt sie die Heilkräfte der Pflanzen und die Anatomie des Menschen, berichtet sie von ihrer Glaubenshoffnung. Diese Einheitsschau des Gesamtkosmos und der Gesamtgeschichte aber trägt die Gestalt eines Menschen, der oben und unten - die Geistigkeit der Engel und die Materialität der Erde - umfasst, der Anfang und Ende der Geschichte berührt. Es muss bei ihr wie bei einem Künstler gewesen sein, der eine einzige Grundvision seines Lebens in immer neue Ausdrucksformen hineinbildet, wie bei einem Musiker, der seine harmonische Existenzerfahrung in unzähligen Kompositionen auszudrücken versucht. Man darf auch einen Mystiker wie den Jesuiten Jean-Pierre de Caussade zum Vergleich heranziehen, der im Urvertrauen auf Gottes Gegenwart lebend die "Ewigkeit im Augenblick" (R. Guardini) erfuhr.
Brei Hildegard hat dieses "Urvertrauen", dieser Grundklang des Lebens die Gestalt eines erschauten Lichts - meist wie im "Schatten" erfahren, manchmal aber wie die "Schau des lebendigen Lichts" selbst.
Es ist für den modernen Menschen nicht leicht, dies nachzuvollziehen. Doch im Grunde entspricht dies Teilhards "goût de l'Etre", seinem Gefühl für den positiven Sinn des Seins. Bei Hildegard wird dieses "Urvertrauen" visionär erfahren und musikalisch überhöht. Und wie bei Teilhard die Evolution den Menschen als Ziel hat, so schaut Hildegard die Einheit des Kosmos in der Gestalt eines Menschen (Makro-Kosmos). Bei beiden aber ist Jesus Christus sinntragende Mitte und sinngebende Kraft der Kosmos-Harmonie, der Kosmos-Evolution.
Man könnte nun viele Entsprechungen aufzeigen. Die frappierendste aber ist, dass auch Hildegard die "materia" einfachhin Liebe nennt - dies nicht nur in dem oben erwähnten Brief! Für mich jedenfalls gewann von dorther der teilhardsche Versuche neue Evidenz, schon im Urgrund der Materie Bewegungen zu entdecken, die sich später zur Liebe der personalen Begegnung entwickeln ("entfalten", "verdichten"): Darf (muss!) ich als Christ nicht doch überall Spuren von Gottes Liebe suchen und finden - wie Meister Eckhard und Ignatius schreiben: Gott in allen Dingen finden?
Unterschiede und Korrekturen
natürlich darf dies alles die Unterschiede zwischen Teilhard und Hildegard nicht vergessen machen. Evolution, Entwicklung der Natur bis hin zum Menschen, ist erst in den letzten zwei Jahrhunderten denkbar geworden und in der christlichen Religiosität auf viel Widerstand gestoßen. Das ist Teilhards Bedeutung, dass er dies in die christliche Theologie einbrachte. Das Zweite Vatikanische Konzil hat dies - zumindest als Versuch - in erstaunlich weitem Maße akzeptiert: Das Dekret über "Die Kirche in der Welt von heute" wäre ohne Teilhards Vision nicht verfasst worden. Leider wurde die Diskussion um seine Weltsicht während seines Lebens unterbunden, und nach seinem Tod geriet sie - nach einer kurzen Begeisterungswelle - zuletzt in die Hände der Esoterik und von New Age. Mir scheint es an der Zeit, sie neu aufzugreifen, und zwar nicht neo-buddhistisch verwässert, sondern in ihrer christlich-biblischen Eindeutigkeit. Dazu aber müssen - nicht zuletzt auch von der kosmischen Mystik Hildegards her - einige Fragen gestellt werden:
Liegt nicht der uns heute fast unerträglich scheinende Wissens- und Forschungsoptimismus Teilhards auch darin begründet, dass er das Endziel, den Punkt Omega, den kosmischen Christus fast linear in die Weltzeit eintragen möchte? In Hildegards Schau aber lebt die kosmische Ganzheit von Schöpfung und Erlösung in Gottes Transzendenz, vor der jede menschliche Wissenschaft demütig stehen bleiben muss. Anders gesagt: Das mystische Element der Dunkelheit, der Nacht, des Nichtwissens, ist bei ihr weitaus stärker als bei Teilhard.
Damit hängt zusammen, dass Hildegard in Bildern schaut und nicht in Begriffen oder mit empirischen Fakten ihr Weltbild aufbaut. Auch Teilhards Sprache (im Original, nicht in der oft hölzernen deutschen Übersetzung) nähert sich, wenn sie Letztes sagt, der Poesie an. Ob nicht die immer stärker werdende Besinnung auf den Wahrheitsgehalt von Bildern, Symbolen, auch Mythen helfen kann, Teilhard neu und modern zu verstehen? Dann wird ein Satz wie folgender, in dem Teilhard seine Sicht des kosmischen Christus zusammenfasst, noch lebendiger, noch christlicher: "Schlussendlich: "Nur ein in-sich-stehendes (‚autonomes') Zentrum der Einung, das auf dem Gipfel und in der Mitte des Kosmos auftaucht, hat die Möglichkeit, im Herzen der noch zersplitterten Menschenmasse die ersehnten Kräfte zu wecken, zu kräftigen und zu entfesseln, die zur geistigen Einheit (unanimation) führen."
Aus: entschluss 50 (1995), H. 9+10, 15-19.
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